Als alles vorbei war, hielt sich Tübingens Co-Trainer Deontate Hann die
Hände schützend über den Kopf. Seine Mitspieler umzingelten ihn,
trommelten auf seinem Haupt und schubsten ihn hin- und her. Viel hätte
nicht gefehlt, und der 24 Jahre alte US-Amerikaner hätte wohl mindestens
ein mittelschweres Schleudertrauma erlitten. Doch Hann überstand den
Ansturm nach dem Doppelerfolg gegen Freising, so wie er bereits die
zahllosen Herausforderungen während der Saison gemeistert hatte. Ohne
Hann hätte es am Samstag vermutlich keine Meisterfeier in Tübingen
gegeben, das wussten seine Mitspieler genau.
Wenn deutsche Baseballmannschaften ihre oft bescheidenden Mittel für
ausländische Spieler aufwenden, sind die Erwartungen an die Legionäre
sehr hoch. Nicht immer sind die Einkäufe ihr Geld wert. Doch Hann, der
vor der Saison zusammen mit US-Akteur Terrell Johnson bei den Hawks
angeheuert hatte, erfüllte die in ihn gesetzten Hoffnungen voll und
ganz: Der 24-Jährige arbeite während der Trainingseinheiten an den
Schwächen aller Spieler – meistens erfolgreich. Als Catcher, der
Schlüsselposition in der Verteidigung, lenkte er junge wie routinierte
Pitcher sicher durch die Partien. Nach dem verletzungsbedingten
Saisonaus von Johnson und einigen Niederlagen während der Rückrunde
wuchs die Last, die Hann schultern musste, nochmals. Doch der 24-Jährige
knickte nicht ein, glänzte fortan auch als Pitcher und Mittelpunkt der
Offensivabteilung.
„Wir wollten vom ersten Tag an Meister werden. Da hatte ich schon
Bedenken, dass der Druck zu groß ist“, sagte Tübingens Präsident Bernd
Kress. Dass die Hawks standhaft blieben, war vor allem Hanns Verdienst.
Gegen Freising rief der 24-Jährige all seine Fähigkeiten nochmals wie im
Schnelldurchlauf ab: Unter seiner Leitung gestatteten die Tübinger
Pitcher Dennis Jeworowski, Benjamin Burkhart und Georg Plankenhorn den
Grizzlies im ersten Spiel keinen Hit und in der zweiten Partie nur einen
Punkt. In beiden Spielen brachte Hann die Tübinger Führung als Pitcher
höchstpersönlich ins Ziel. Und in der zweiten Partie besorgte er die
Punkte zum vorentscheidenden 4:0 mit einem krachenden Homerun. Kurz
darauf waren die Hawks der Drittklassigkeit endgültig entflohen.
Die Feierlichkeiten waren noch gar nicht richtig angelaufen, da sprach
Hawks-Trainer Wesley Blunt bereits von der kommenden Saison. „Wir werden
spielen, um zu gewinnen“, verkündete er forsch. Auch der Rest der
Mannschaft scheint der zweiten Liga entgegenzufiebern: Die erste
Mannschaftssitzung ist für diesen Dienstag angesetzt.
Tübingen Hawks: Rönnfeldt, Helle, Führmann, Hann, Landfried, Burkhart,
Measells, Gluns, Knuth, Jeworowski, Plankenhorn, Fischer, Coats, Stolz,
Heim (s. auch Bild).
Baseball Regionalliga
Mo, 12.09.11, 1:07 Uhr



