Baseball Regionalliga
Mo, 12.09.11, 1:07 Uhr

Niemals eingeknickt

Die Meister-Truppe um Coach Wes Blunt. Foto (c) Detlef Hudemann
Als alles vorbei war, hielt sich Tübingens Co-Trainer Deontate Hann die Hände schützend über den Kopf. Seine Mitspieler umzingelten ihn, trommelten auf seinem Haupt und schubsten ihn hin- und her. Viel hätte nicht gefehlt, und der 24 Jahre alte US-Amerikaner hätte wohl mindestens ein mittelschweres Schleudertrauma erlitten. Doch Hann überstand den Ansturm nach dem Doppelerfolg gegen Freising, so wie er bereits die zahllosen Herausforderungen während der Saison gemeistert hatte. Ohne Hann hätte es am Samstag vermutlich keine Meisterfeier in Tübingen gegeben, das wussten seine Mitspieler genau.

Wenn deutsche Baseballmannschaften ihre oft bescheidenden Mittel für ausländische Spieler aufwenden, sind die Erwartungen an die Legionäre sehr hoch. Nicht immer sind die Einkäufe ihr Geld wert. Doch Hann, der vor der Saison zusammen mit US-Akteur Terrell Johnson bei den Hawks angeheuert hatte, erfüllte die in ihn gesetzten Hoffnungen voll und ganz: Der 24-Jährige arbeite während der Trainingseinheiten an den Schwächen aller Spieler – meistens erfolgreich. Als Catcher, der Schlüsselposition in der Verteidigung, lenkte er junge wie routinierte Pitcher sicher durch die Partien. Nach dem verletzungsbedingten Saisonaus von Johnson und einigen Niederlagen während der Rückrunde wuchs die Last, die Hann schultern musste, nochmals. Doch der 24-Jährige knickte nicht ein, glänzte fortan auch als Pitcher und Mittelpunkt der Offensivabteilung.

„Wir wollten vom ersten Tag an Meister werden. Da hatte ich schon Bedenken, dass der Druck zu groß ist“, sagte Tübingens Präsident Bernd Kress. Dass die Hawks standhaft blieben, war vor allem Hanns Verdienst.

Gegen Freising rief der 24-Jährige all seine Fähigkeiten nochmals wie im Schnelldurchlauf ab: Unter seiner Leitung gestatteten die Tübinger Pitcher Dennis Jeworowski, Benjamin Burkhart und Georg Plankenhorn den Grizzlies im ersten Spiel keinen Hit und in der zweiten Partie nur einen Punkt. In beiden Spielen brachte Hann die Tübinger Führung als Pitcher höchstpersönlich ins Ziel. Und in der zweiten Partie besorgte er die Punkte zum vorentscheidenden 4:0 mit einem krachenden Homerun. Kurz darauf waren die Hawks der Drittklassigkeit endgültig entflohen.

Die Feierlichkeiten waren noch gar nicht richtig angelaufen, da sprach Hawks-Trainer Wesley Blunt bereits von der kommenden Saison. „Wir werden spielen, um zu gewinnen“, verkündete er forsch. Auch der Rest der Mannschaft scheint der zweiten Liga entgegenzufiebern: Die erste Mannschaftssitzung ist für diesen Dienstag angesetzt. 

Tübingen Hawks: Rönnfeldt, Helle, Führmann, Hann, Landfried, Burkhart, Measells, Gluns, Knuth, Jeworowski, Plankenhorn, Fischer, Coats, Stolz, Heim (s. auch Bild).
Autor: jk